Einführung in die makroökonomischen Grundlagen

Das Hauptziel fundamentaler Analyse ist es, Vorhersagen treffen zu können, wie etwa, ob Währung A in ihrem Wert gegenüber Währung B steigen oder fallen wird.

Fundamentale Analyse für die Finanzmärkte ist das Studium der makroökonomischen Daten der relevanten Volkswirtschaften für die Forex-Märkte.  Das Hauptziel fundamentaler Analyse ist es, Vorhersagen treffen zu können wie etwa, ob Währung A in ihrem Wert gegenüber Währung B steigen oder fallen wird. Wie Sie diese Frage beantworten, hängt davon ab, wie gut Sie die makroökonomischen Daten, welche die Entwicklung beeinflussen, entziffern können. Fundamentale Analyse sieht sich die zugrunde liegenden Kräfte an, die die betreffenden Märkte bewegen und wird gewöhnlich von langfristigen Investoren verwendet, kann aber auch von Händlern genutzt werden, um ein besseres Verständnis der Märkte zu erlangen, auf denen sie handeln möchten.

Die Kombination von fundamentaler Analyse und technischer Analyse (dem Studium von Preisen) kann sehr mächtig sein, indem sie Ihnen ein vollständiges Bild der Märkte vermittelt und Ihre Position als Händler stärkt.

Bei der fundamentalen Analyse ist es wichtig, die Ziele zu definieren. Aufgrund der Breite und Komplexität des Feldes ist es leicht, den Fokus zu verlieren oder von anderen Faktoren abgelenkt zu werden.

Deshalb ist der erste und grundlegende Schritt in der fundamentalen Analyse, mit einem Währungspaar zu beginnen, das Sie handeln möchten. So können Sie sicherstellen, dass sie auf die wichtigsten Details konzentriert bleiben und die Grundlagen für einen Handelsplan entwickeln können.

Sollte man einfach zufällig ein Währungspaar auswählen oder gibt es eine bestimmte Logik dahinter? Auch wenn es keine Regel gibt und die Wahl des Währungspaares einzig und alleine dem Händler überlassen ist, ist es doch sinnvoll, sich am aktuellen Marktgeschehen zu orientieren

Zum Beispiel: Was ist im Moment das am meisten besprochene Thema? Auf welche Währung oder die Entscheidungen welcher Zentralbank wird auf den Märkten laufend Bezug genommen? Durch die Wahl eines Instruments oder einer Anlage, das bzw. die am meisten im Trend liegt, können Händler mehr Informationen finden und vielleicht durch die Kombination der relevanten technischen und fundamentalen Aspekte mehr Wissen gewinnen.

Makroökonomische Grundlagen beeinflussen die Märkte

Makroökonomische Indikatoren beeinflussen die Währungsmärkte auf fundamentale Weise. Makroökonomie wird definiert als der Zweig der Wirtschaft, der sich mit dem Studium gesamtwirtschaftlicher Faktoren beschäftigt.

Beispiele hierfür sind Zinssätze, Arbeitslosigkeit, Inflation oder BIP. Auf den Währungsmärkten geht es bei der fundamentalen Analyse darum, zu bestimmen, wie gut Volkswirtschaft A im Vergleich zu Volkswirtschaft B abschneidet, wobei die Volkswirtschaften A und B vom jeweiligen Währungspaar repräsentiert werden.

Die fundamentale Analyse von AUD/NZD bedeutet also, die Makroökonomien von Australien und Neuseeland zu untersuchen und zu vergleichen.

Makroökonomische Grundlagen − die wichtigsten Indikatoren

Es folgt eine Liste der wichtigsten fundamentalen Indikatoren, die je nach analysiertem Markttyp im Auge behalten werden sollten.

  • BIP: Das Bruttoinlandsprodukt ist ein wichtiger Indikator für die Währungsmärkte. Es wird monatlich oder vierteljährlich veröffentlicht und gibt die Wachstumsrate während des angegebenen Zeitraums an. Das BIP gibt den Wert aller Güter und Dienstleistungen an, die in einem Land produziert werden. Ein BIP-Bericht ist der primäre Indikator für die Stärke der Wirtschaft. Ein BIP-Anstieg weist auf höhere wirtschaftliche Aktivität hin und kann so die finanzpolitischen Entscheidungen der Zentralbank beeinflussen. Vierteljährliche und jährliche BIP-Berichte sind wichtige makroökonomische Indikatoren. Das Wirtschaftswachstum wird von Jahr zu Jahr verglichen. Innerhalb der vierteljährlichen Berichtszeiträume können saisonabhängige Trends das Wachstum oft beeinflussen. Beispiel: In den USA ist das BIP im ersten Quartal normalerweise am schwächsten, während das Wachstum ab dem zweiten Quartal ansteigt und das dritte Quartal normalerweise das stärkste ist. BIP-Berichte können verwendet werden, um einen Einblick darin zu erhalten, wie die Wirtschaft läuft und wie viele Arbeitsplätze sie potenziell schaffen kann und damit auch, wie viel Arbeiter und Angestellte verdienen, was Konsumausgaben und damit die Inflation beeinflussen kann.
  • Inflation: Auch Verbraucherpreisindex genannt. Sie wird monatlich oder vierteljährlich veröffentlicht. Die Inflationsrate gibt an, ob und wie sehr der Wert eines Warenkorbes der am häufigsten verwendeten Güter und Dienstleistungen, wie Lebensmittel, Kleidung, Transport, Treibstoff usw., steigt oder fällt. Höhere Inflation ist ein Zeichen einer gesunden Wirtschaft, kann aber auch Zentralbanken dahingehend beeinflussen, dass diese die Zinssätze erhöhen, um die Inflation einzudämmen. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Inflation, darunter die Wertsteigerung/Wertminderung einer Währung, sowie die Öl-Preise, welche sich auf die Preise von Importgütern auswirken. Die meisten Zentralbanken versuchen, die Wirtschaft so zu lenken, um ein gegebenes Inflationsziel zu erreichen. Häufig wird ein Inflationsziel von 2,0 % angestrebt und die Zinssätze werden entsprechend angepasst, um die entsprechende Preisstabilität zu erreichen. Daher wird eine höhere Inflation oft als Vorstufe zur Anhebung der Zinssätze angesehen, während niedrige Inflation generell eine Senkung der Zinssätze nach sich zieht.
  • Arbeitsmarktberichte: Der Arbeitsmarktbericht wird monatlich veröffentlicht und basiert auf einer Umfrage unter Haushalten und/oder Unternehmen. Er wirft ein Licht auf den allgemeinen Zustand des Arbeitsmarktes in Bezug auf die Zahl der Beschäftigten in der Wirtschaft, die Arbeitslosenrate und Lohnanstiege. Der Lohnanstieg auf dem Arbeitsmarkt ist ein wichtiger Indikator, der schlussendlich die Inflationsrate beeinflusst. Hohe Lohnanstiege bedeuten mehr Konsumausgaben, die wiederum die Inflation steigern, während sinkende Lohnanstiege zu Deflation führen können.
  • Zinssätze: Alle Zentralbanken haben den Auftrag, ein bestimmtes Inflationsziel zu erreichen und in manchen Fällen auch, die Wirtschaft dabei zu unterstützen, ihr volles Potential zu erreichen. Basierend auf diesen Zielen sehen sich die Zentralbanken die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren an und entscheiden dann, ob die Zinssätze angehoben, gesenkt oder nicht geändert werden sollten. Zentralbanken treffen sich fast jeden Monat, beobachten den wirtschaftlichen Fortschritt im Land und veröffentlichen dann ihre Ansichten in Form der sogenannten Grundsatzerklärung, in der die Zentralbank ihre Ansichten zur Wirtschaft und ihrem künftigen Kurs in Sachen Zinssätze beschreibt.

Neben den oben genannten gibt es noch eine Vielzahl weiterer wirtschaftlicher Indikatoren. Einige Wirtschaftsindikatoren, die für Sie ebenfalls von Interesse sein könnten:

  • PMI-Umfragen: Eine monatliche Umfrage, genannt Purchase-Managers-Index, die grob in die Kategorien Bau, Dienstleistungen und Produktion unterteilt wird. Der PMI ist ein Index, bei dem ein Wert über 50 ein Wachstum und ein Wert unter 50 einen Rückgang anzeigt. PMI-Umfragen sind Frühindikatoren der allgemeinen Stimmung bezüglich der Konjunkturaussichten. Zu den wichtigsten PMI-Berichten gehören jener des Institute of Supply Management (ISM) in den USA, Markit PMI im Vereinigten Königreich und jener der Eurozone.
  • Einzelhandelsumsätze: Einzelhandelsumsatzdaten werden genutzt, um den aggregierten Verkauf von Einzelhandelsgütern in einem gewissen Zeitraum zu messen. Einzelhandelsumsätze machen einen großen Teil des BIP aus und sind ein Indikator für das allgemeine Ausgabeverhalten der Konsumenten. In einer wachsenden Wirtschaft neigen Konsumenten dazu, mehr auszugeben und eine höhere Nachfrage nach Gütern zu zeigen (und somit das BIP zu steigern, was sich wiederum auf Arbeitsmärkte und Inflation auswirkt).
  • Industrielle Produktion: Dieser Bericht misst die Leistung des Industriesektors und bezieht auch die Herstellung mit ein. Wachstum oder Rückgang der industriellen Produktion beeinflussen das BIP, den Arbeitsmarkt und die Entwicklung der Inflation.

Warum Sie Zentralbanken im Auge behalten sollten

Neben den oben genannten fundamentalen Indikatoren bilden Zentralbanken eine besondere Kategorie. In der Vergangenheit war die Rolle der Zentralbanken darauf beschränkt, Änderungen ihrer Geldpolitik anzukündigen; in den letzten Jahrzehnten haben sie jedoch einen proaktiveren Ansatz verfolgt, um ihre jeweilige Wirtschaft zu beeinflussen.

Dies hat dazu geführt, dass der Einfluss der Zentralbanken und die Aufmerksamkeit, die den Ankündigungen von Zentralbanken gewidmet wird, zugenommen haben. Heutzutage sind Erklärungen von Notenbankern wichtige Ereignisse in den Wirtschaftskalendern und die Märkte reagieren stark auf deren Kommentare.

Das folgende Beispiel zeigt die Bedeutung der Reden der Notenbanker und deren Einfluss auf die Märkte, vor allem wenn die Reden kurz vor einer Entscheidung der Zentralbank gehalten werden.

4. November 2015: EZB-Verantwortliche versammelten sich, um bei einer Veranstaltung in Frankfurt zu sprechen. Zu den Rednern gehörten unter anderem EZB-Präsident Mario Draghi und Daniele Nouy und Vitor Constancio, beide Mitglieder des EZB-Rates.

Der Fokus waren die Politikmaßnahmen der EZB, welche beim Treffen im Dezember beschlossen werden sollten. Die Märkte behielten diese Notenbanker genau im Auge, um keine Hinweise darauf zu verpassen, was möglicherweise beim Dezember-Meeting passieren würde.

Die Notenbanker erklärten lediglich, dass die Politik der EZB neu evaluiert werden musste und sagten, dass die Inflation schwach sei und die Zentralbank sich dem Erreichen des Inflationsziels von 2,0 % verschrieben hätte.

Die Märkte sahen diese Kommentare als Bestätigung dafür, dass die EZB die Geldpolitik weiter lockern würde. EURUSD wurde abgestoßen und führte den Abwärtstrend weiter, da die Märkte erwarteten, dass die EZB in ihrem Dezember-Meeting eine starke Politik der geringen Zinssätze verkünden würde.

EUR USD Reaktion auf die Rede des EZB Präsidenten

EURUSD-Reaktion auf die Rede des EZB-Präsidenten Draghi bei einer Veranstaltung

Makroökonomische Grundlagen − Zusammenfassung

Als Händler oder Investor müssen Sie anhand makroökonomischer Fundamentaldaten die Stärken und Schwächen einer Wirtschaft analysieren. Ihr Ziel ist es, den zugrunde liegenden Trend in einer Wirtschaft zu verstehen und ihn mit einer anderen Wirtschaft zu vergleichen.

Beispiel: Ein kontinuierlich zunehmendes BIP-Wachstum kann in Verbindung mit einem Anstieg der Löhne und der Beschäftigung in Kombination mit steigender Inflation oft auf eine baldige Anhebung der Zinssätze zur Beruhigung der Wirtschaft hinweisen.

Umgekehrt können kontinuierlich schwaches BIP-Wachstum, steigende Arbeitslosenraten und sinkende Inflation normalerweise die Zentralbanken dazu bewegen, die Wirtschaft anzukurbeln, indem die Zinssätze gesenkt und die Geldpolitik gelockert werden.

Wenn Sie diese Daten mit jenen einer anderen Wirtschaft vergleichen, erhalten Sie ein umfassenderes Bild der fundamentalen Faktoren, welche die Entwicklung des betreffenden Währungspaares antreiben.

Diese Information kann dann mit der technischen Analyse kombiniert werden und das Währungspaar kann entsprechend gehandelt werden.

Während Ihnen die technische Analyse lediglich zeigen kann, zu welchem Preis ein Währungspaar gekauft oder verkauft werden soll, kann Ihnen die fundamentale Analyse zusätzliche Informationen dazu geben, warum es besser ist, ein Währungspaar zu kaufen oder zu verkaufen.