Technische Analyse – Diagramme, Trends und Kursentwicklungen

Die technische Analyse ist ein wirksames Werkzeug um Preisbewegungen vorherzusagen.

Bei der technischen Analyse geht es darum, vergangene Preisänderungen zu untersuchen, um künftige Preisbewegungen voraussagen zu können.

In diesem Artikel werden wir Ihnen verschiedene Diagrammarten vorstellen und dann im Detail erklären, wie Trendindikatoren und Kursentwicklungen für die Analyse und die Prognose der künftigen Kursentwicklung verwendet werden können.

Einführung in Diagrammarten

Es gibt drei Hauptarten von Diagrammen, die häufig verwendet werden.

  • Kerzendiagramme
  • Balken- oder OHLC-Diagramme
  • Liniendiagramme

Kerzendiagramme

Kerzendiagramme wurden als erstes von Reishändlern in Japan konzeptioniert und erst kürzlich in der westlichen Welt eingeführt. Kerzendiagramme haben ein markantes Aussehen und zeigen wesentlich mehr Informationen an als jeder andere Diagrammtyp. Ein typisches Kerzendiagramm zeigt die Eröffnungs-, Schluss-, Höchst- und Tiefpreise des Tages oder der Sitzung an. Abhängig davon, wie der Preis schließt, können die Kerzen entweder rot/schwarz (wenn der Preis unter dem Eröffnungspreis schließt) oder weiß/grün sein (wenn der Preis über dem Eröffnungspreis schließt). Wenn Preise auf demselben Preisniveau öffnen und schließen, nennt man das Doji. Die Eröffnungs- und Schlusspreise werden vom Körper der Kerze repräsentiert, wohingegen die Hochs und Tiefs von den Dochten angezeigt werden.

Kerzendiagramme

Kerzendiagramme sind wichtig, da sie die Marktstimmung abbilden können. Zum Beispiel zeigt eine bullische Kerze (Schluss > Eröffnung) an, dass es mehr Käufer am Markt gibt und die Preise wahrscheinlich weiter steigen werden. Ähnlich zeigt eine bärische Kerze an, dass es mehr Verkäufer am Markt gibt und die Preise deshalb weiter fallen könnten. Wenn der Eröffnungspreis gleich oder nahe dem Schlusspreis ist, resultiert dies in einer Doji-Kerze, die die Unentschlossenheit auf den Märkten anzeigt.

Balken- oder OHLC-Diagramme

Balken- oder OHLC-Diagramme (Open/High/Low/Close) sind ähnlich wie Kerzendiagramme, jedoch werden die Preise als Balken und nicht als Kerzen angezeigt.  Balkendiagramme sind nützlich, da sie in erster Linie verwendet werden, um nach Höchst- und Tiefpreisen auf dem Markt zu suchen.

Balkendiagramm

Balkendiagramme

Balkendiagramme sind ein ideales Werkzeug, wenn man Kursentwicklungstechniken wie das Zeichnen von Trendlinien verwendet, oder um von Höhen und Tiefen in einem Trend zu erkennen.

Liniendiagramme

Liniendiagramme sind die einfachsten der drei Diagrammarten Das Liniendiagramm zeigt einfach die Schlusspreise als eine durchgehende Linie an. Liniendiagramme sind ideal für fortgeschrittene Anwender und können verwendet werden, um wiederkehrende Diagrammmuster zu erkennen und um Trends auf dem Markt zu verstehen. Liniendiagramme bilden nur die Schlusspreise ab, da diese als die wichtigsten Datenpunkte angesehen werden.

Liniendiagramm

 Liniendiagramme

Einführung in Trends

Preise bewegen sich in Trends, konkret in Aufwärtstrends oder Abwärtstrends. Ein Aufwärtstrend wird definiert als eine Serie von Preisbewegungen, die höhere Tiefpunkte und Höchstpunkte bilden als die Höhen vorheriger Wellen. Ein Abwärtstrend ist gegeben, wenn die Preise niedrigere Tiefpunkte bilden als die vorherigen Tiefpunkte und auch die Höhen geringer sind. Das Diagramm unten zeigt zwei Arten von Trends an, die auf dem Markt entstehen.

Trends auf dem Markt

Trends auf dem Markt

Wenn es keinen Trend gibt, oder wenn keine neuen Höchst- oder Tiefstpunkte gebildet werden, spricht man davon, dass sich der Markt seitwärts bewegt.

Trends bilden ein grundlegendes Element, wenn es um die Diagrammanalyse geht. Ohne zu wissen, was der zugrunde liegende Trend ist, wäre es schwer, Preise vorherzusagen. Trends entstehen in allen Zeitrahmen – monatlich, wöchentlich und täglich ebenso wie in Intraday-Zeitrahmen wie 15- oder 30-Minuten-Intervallen. Bei der Analyse von Diagrammen ist es immer gut, sich den Trend im größeren Zeitrahmen ebenso anzusehen wie den täglichen und wöchentlichen Trend, um den Marktkontext zu verstehen und vorhersehen zu können, wo die Preise sich als nächstes hinbewegen könnten.

Trends auf dem Markt erkennen

Technische Analyse mithilfe von Trendindikatoren

Technische Indikatoren wie gleitende Durchschnitte, Bollinger-Bands und Oszillatoren werden häufig bei der Prognose von Preisen verwendet.

Bei der Verwendung technischer Indikatoren sollten Händler daran denken, dass es eine Verzögerung bei der Entwicklung von Preisänderungen und somit bei den technischen Signalen gibt, die auf diesen Indikatoren basieren. Diese Verzögerung lässt sich darauf zurückführen, dass alle Indikatoren auf dem Preis basieren (es könnte Hoch/Tief/Eröffnung/Schluss sein) und diese Preisniveaus erst dann zu den Indikatoren hinzugefügt werden, wenn die jeweilige Sitzung geschlossen wurde. Das Diagramm unten illustriert die obigen Punkte.

Kursentwicklung vs. Indikatoren

Kursentwicklung vs Indikatoren

Im obigen Diagramm sehen wir, wenn wir einzig die Kursentwicklung verwenden, dass der Preis der Anlage, nachdem er einen Doppelboden gebildet hat, den nächsten Resistance-Level nahe 1084 durchbrach und dann wieder gefallen ist, um einen Support-Level zu etablieren. Dies war ein früher Preisindikator einer Trendveränderung. Während der daraus resultierenden Erholung wurde die bis dahin höchste Resistance bei 1184,3 gebrochen, was eine zweite Bestätigung darstellte.

Im Vergleich zur Kursentwicklung zeigten die gleitenden Durchschnitte im Zeitraum 200 und 50 Tage, die Trendindikatoren sind, eine bullische Kreuzung erst relativ spät und erst als die Preise auf 1226,21 stiegen, eine deutliche Steigerung gegenüber der anfänglichen Bestätigung auf 1084 und der zweiten Bestätigung bei 1184,3, was die Verzögerung der Indikatoren verdeutlicht.

Bei der Verwendung von technischen Indikatoren helfen die folgenden Arten von Indikatoren bei der Analyse von Preisen.

Trendindikatoren

Technische Indikatoren, die Trends auf dem Diagramm anzeigen, sind der Ausgangspunkt jeder Analyse. Trendindikatoren wie gleitende Durchschnitte und Parabolic-SAR helfen dem Händler bei der Visualisierung von Trends auf dem Diagramm. Von den verschiedenen Trendindikatoren werden gleitende Durchschnitte wie jene der letzten 200, 100 und 50 Tage am häufigsten verwendet und auf einem täglichen Diagramm angegeben.

Abhängig davon, wie sich die kurz- und langfristigen gleitenden Durchschnitte darstellen und wo die gegenwärtigen Preise im Verhältnis zu diesen Linien liegen, können Händler Preistrends sehen und dadurch künftige Preisbewegungen besser vorhersagen.

Volatilitätsindikatoren

Volatilitätsindikatoren werden verwendet, wenn sich die Preise wahrscheinlich stark in eine Richtung bewegen werden. Kombiniert mit Trendindikatoren können Volatilitätsindikatoren Händlern helfen, zu verstehen, wann sie eine Stärkung eines Trends erwarten können oder wann ein neuer Trend entstehen wird.

Bollinger-Brands sind die am häufigsten verwendeten Volatilitätsindikatoren, da sie Händlern dabei helfen können, nicht nur Trends, sondern auch Volatilität zu visualisieren. Typischerweise wird ein Trend bei steigender Volatilität als stark bezeichnet, wenn sich die Preise in Richtung des Trends bewegen. Volatilitätsindikatoren können Händlern auch helfen, zu erkennen, wenn Preise sich seitwärts entwickeln oder in die eine oder andere Richtung tendieren.

Momentum-Indikatoren

Momentum-Indikatoren werden verwendet, um vorherzusagen, wann Preise wahrscheinlich korrigieren oder wann sich ein Trend wahrscheinlich ändern wird. Bei einem etablierten Trend hilft das Momentum Händlern, zu wissen, wann Preise sich wahrscheinlich in der gleichen Richtung weiterentwickeln werden.

Das Momentum ist ähnlich der Volatilität, allerdings auch dafür bekannt, Preise zu leiten. Ein steigendes Momentum zeigt eine Weiterführung des Trends an, während ein fallendes Momentum auf eine potentielle Einbremsung der Preise hindeutet. Momentum und Volatilität gehen Hand in Hand, da bei steigender Volatilität auch das Momentum entsprechend zunimmt.

Das Diagramm unten zeigt Trend- (gleitender Durchschnitt von 50 Tagen), Volatilitäts- (Bollinger-Bands) und Momentum-Indikatoren (RSI unten) an, welche ein Gesamtbild des analysierten Marktes bilden.

Technische Indikatoren (Trend/Volatilität/Momentum) auf Diagramm

Technische Indikatoren

Technische Analyse durch Kursentwicklungen

Technische Analyse mithilfe von Kursentwicklungen ist auch bekannt als Handel ohne Hilfe von technischen Indikatoren. Kursentwicklungen sind etwas komplexer, da die Händler dafür ein paar Schlüsselkonzepte verstehen müssen. Die Basis des Kursentwicklungs-Handels sind natürlich Support und Resistance, aus welchen alle anderen Formen der auf der Kursentwicklung basierten Analyse gebildet werden.

Support/Resistance und Trendlinien

Support und Resistance, auch als Angebot/Nachfrage bekannt, sind Preisniveaus auf dem Diagramm, an denen Preise dazu neigen, sich mit hoher Wahrscheinlichkeit umzukehren. Die Support- und Resistance-Levels können entweder horizontale Niveaus oder Trendlinien sein, welche durch die Verbindung der Hoch- und Tiefpunkte der Preise entstehen. Diese Niveaus können identifiziert werden, indem die vergangenen Preisreaktionen auf diesen Niveaus betrachtet werden.

Ein Support-Level besteht dort, wo es mehr Nachfrage gibt und die Preise dementsprechend dazu neigen, sich umzukehren und wieder zu steigen. Ein Resistance-Level besteht dort, wo es mehr Angebot gibt und die Preise dazu neigen, sich umzukehren und wieder zu fallen. Das nächste Diagramm zeigt horizontale Support- und Resistance-Levels.

Horizontale Support

Horizontale Support- und Resistance-Levels

Im Unterschied zu den horizontalen Support- und Resistance-Levels werden auch dynamische Support-/Resistance-Levels gebildet. Diese werden durch Trendlinien identifiziert. Eine steigende Trendlinie zeigt dynamische Support-Levels an und wird durch die Verbindung aufeinanderfolgender immer höherer Tiefpunkte des Preises gezeichnet.

Eine steigende Trendlinie tritt normalerweise bei einem Aufwärtstrend auf. Eine fallende Trendlinie zeigt dynamische Resistance-Levels an und wird durch die Verbindung aufeinanderfolgender immer niedrigerer Höchstpunkte des Preises gezeichnet. Eine fallende Trendlinie entsteht in einem Abwärtstrend.

Fallende und steigende Trendlinien

Fallende und steigende Trendlinien (Abwärtstrend und Aufwärtstrend)

Diagrammmuster

Diagrammmuster bezeichnen bestimmte wiederkehrende Muster auf dem Diagramm, die eine mögliche Veränderung des Preisverhaltens voraussagen können. Diagrammmuster werden in erster Linie aufgrund der Ungleichverteilung von Käufern und Verkäufern gebildet und die meisten Diagrammmuster sind relativ verlässlich. Einige der am häufigsten verwendeten Diagrammmuster sind:

  • Kopf-Schulter-Muster
  • Aufsteigendes und absteigendes Dreieck-Muster
  • Bärisches und bullisches Flaggen- oder Wimpel-Muster
  • Tasse-und-Henkel-Muster
  • Diamanten-Tops und -Bottoms
  • Doppel- oder Triple-Tops und -Bottoms

Der Handel mit Diagrammmustern setzt ein weitreichendes Verständnis von Support- und Resistance-Levels und Trendlinien voraus, da nahezu alle Diagrammmuster aus diesen zwei grundlegenden Elementen gebildet werden. Das Diagramm stellt diese Muster kurz vor.

ursentwicklung basierende Diagramme

Auf Kursentwicklung basierte Diagrammmuster

Kerzenmuster

Kerzenmuster sind eine andere Art, um zu verstehen, was auf den Märkten vorgeht. Kerzenmuster sind auf Kerzendiagramme beschränkt und zeigen die kurzfristige Marktstimmung an. Kerzenmuster gibt es in verschiedensten Formen und sie zeigen, ob die Käufer oder Verkäufer am Markt dominieren. Es gibt viele Typen von Kerzenmustern, doch die folgenden sind die wichtigsten.

  • Bullish/Bearish Engulfing: Zeigt normalerweise einen Überhang von Käufern bzw. Verkäufern an und ist Anzeichen eines Abwärtstrends oder einer Erholung.
  • Doji: Es gibt viele Typen von Dojimustern, aber sie alle zeigen Unentschlossenheit auf dem Markt an. Es kann auch eine Pause der Erholung oder des Abwärtstrends oder sogar eine Umkehrung des vorherigen Trends anzeigen.
  • Piercing Line/Dark Cloud Cover: Zeigt eine abrupte Veränderung, wobei entweder Käufer oder Verkäufer den Markt übernehmen
  • Hammer/Hanging Man: Zeigt eine Erschöpfung des Trends und eine potentielle kurzfristige Umkehrung an
  • Spinning Tops/Bottoms: Zeigt einen flachen Markt, wobei sich die Preise nicht bewegen. Zeigt normalerweise eine wahrscheinliche Pause im Trend oder eine Korrektur an.

Kerzenmuster

Einschränkende Bemerkungen zur technischen Analyse

Es gibt keinen richtigen Weg, Preisdiagramme zu analysieren und jede der in diesem Artikel beschriebenen Methoden hat Vor- und Nachteile. Manche Händler fühlen sich mit der Verwendung von technischen Indikatoren zur Vorhersage von Preisen wohl, während andere Kursentwicklungstechniken verwenden, um ihre Entscheidungen zu treffen.

Der große Unterschied ist aber, dass technische Indikatoren oft verzögert sind, was daran liegt, dass fast alle technischen Indikatoren auf Schlusspreisen basieren, was eine gewisse Verzögerung unvermeidlich macht (Ein-Sitzungs-Verzögerung).  Technische Indikatoren zeigen Trendveränderungen und Umkehrpunkte des Preises aufgrund dieser Verzögerung oft verspätet an, aber wenn sie dann die Veränderungen anzeigen, sind diese normalerweise fundiert.

Es ist auch wichtig, zu bedenken, dass die technische Analyse risikoreicher ist, wenn sie verwendet wird, ohne die fundamentalen Faktoren zu berücksichtigen, welche die Märkte beeinflussen. Stellen Sie immer sicher, dass sie die kurzfristigen Marktbedingungen verstehen, um den Kontext zu sehen, bevor Sie in die technische Analyse eintauchen.